Die
Parodontitis (umgangssprachlich, aber inkorrekt auch Parodontose
oder - falsch - Paradontose bzw. Paradontitis) ist ein entzündlicher
Krankheitsprozess, der sich in dem Verlust des Zahnhalteapparates
zeigt, d.h. des Zahnfleischs und des Knochens, der den Zahn verankert.
Parodontose hingegen bezeichnet einen nicht-entzündlichen Schwund des
Zahnbettes ohne vertiefte Zahnfleischtaschen und ohne Blutungsneigung
des Zahnfleisches, wie es ihn so nicht gibt. Der Begriff ist also
veraltet. Jeder Rückgang des Zahnhalteapparates ist immer mit einer
Entzündung verbunden. Kofaktoren sind hier zum Beispiel eine
Überbelastung z.B. durch Bruxismus oder in neuerer Zeit durch ungünstig
lokalisierte Piercings der Lippe oder des Lippenbändchens.
Der 1921 von Weski eingeführte Begriff "Parodontose" war ursprünglich
als Sammelbegriff für sämtliche Erkrankungen (entzündlich und
nicht-entzündlich) des Zahnbettes gedacht. Seit etwa Mitte des 20.
Jahrhunderts gilt jedoch die oben erwähnte Unterscheidung.
Die Begriffsverwirrung in der Bevölkerung rührt hauptsächlich von
TV-Zahnpasta-Reklame aus den 60er und 70er Jahren des 20. Jahrhunderts
her, in welcher der Begriff "Parodontose" für die marginale
Parodontitis verwendet wurde.
Man unterscheidet in eine apikale (von der Wurzelspitze ausgehende) und
eine marginale (vom Zahnfleischsaum ausgehende) Parodontitis. Ursache
für die apikale
Parodontitis ist ein marktoter Zahn, die Therapie
besteht in einer Wurzelkanalbehandlung, einer Wurzelspitzenamputation
oder dem Ziehen des Zahnes.
Im weiteren soll hier nur von der marginalen
Parodontitis die Rede sein:
Die marginale
Parodontitis ist eine Folgeerkrankung der Gingivitis. Sie
kann schmerzhaft sein, verläuft aber zunächst eher unbemerkt. Im
Verlauf der Erkrankung können als Symptome Zahnfleischbluten,
Mundgeruch (Halitose), Rückgang des Zahnfleischs, Eiterbildung am
Zahnfleisch, Zahnlockerung und im Endstadium Zahnverlust auftreten.
Risikofaktoren für die
Parodontitis sind:
Plaque
Zahnstein
- das Vorhandensein bestimmter Bakterien bzw. ein Lebenspartner mit bestehender
Parodontitis (Ansteckung!)
- überschießende Reaktionen des eigenen Immunsystems
- offene
Karies
- Tabakkonsum. Raucher haben verglichen mit Nichtrauchern ein 4- bis 6-fach erhöhtes Risiko, eine
Parodontitis zu entwickeln.
- Mundatmung
- Diabetes mellitus
- genetische Prädisposition
Die Therapie besteht heute darin, den Entzündungszustand des
Zahnfleisches und des Zahnhalteapparates zu beseitigen und
Plaque und
Zahnstein, sowie entzündungsfördernde Faktoren zu beseitigen.
Parodontitis wird durch das Vorhandensein bestimmter Bakterienarten
(insbesondere Actinobacillus actinomycetemcomitans, Porphyromonas
gingivalis, Treponema denticola und Bacteroides forsythus) und durch
mangelhafte Zahnpflege begünstigt. Früher spielte auch Vitaminmangel
eine größere Rolle (Skorbut).
Parodontitis ist ein Risikofaktor für medizinische Probleme. So gilt
ein Zusammenhang zwischen parodontalen Erkrankungen und einem erhöhten
Risiko für das Auftreten von Herzinfarkten oder von Frühgeburten als
wissenschaftlich gesichert.
Parodontitis ist eine "Volkskrankheit", fast jeder ist im Laufe seines
Lebens irgendwann mehr oder weniger stark betroffen. Bei den über
40-jährigen gehen mehr Zähne durch
Parodontitis verloren als durch
Karies.